Schlafapnoe

Was ist eine Schlafapnoe?

Die Schlafapnoe ist eine ernstzunehmende schlafbezogene Atemstörung, bei der es während des Schlafs wiederholt zu Atemaussetzern oder stark verringerten Atemzügen kommt. Diese Pausen können von wenigen Sekunden bis zu mehreren Minuten andauern und treten häufig mehrfach pro Stunde auf. Die Folge sind ein gestörter, nicht erholsamer Schlaf und eine verminderte Sauerstoffversorgung des Körpers.

Formen der Schlafapnoe

  • Obstruktive Schlafapnoe (OSA): Die häufigste Form. Hier kommt es durch eine Verengung oder einen Kollaps der oberen Atemwege zu Atempausen. Risikofaktoren sind Übergewicht, anatomische Besonderheiten (z.B. große Mandeln, verkrümmte Nasenscheidewand), Alter und Alkoholkonsum.
  • Zentrale Schlafapnoe: Seltener. Die Atemmuskulatur erhält zeitweise keine Impulse aus dem Gehirn.
  • Gemischte Schlafapnoe: Kombination aus beiden Formen.

Typische Symptome

  • Lautes, unregelmäßiges Schnarchen
  • Beobachtete Atemaussetzer während des Schlafs
  • Stark ausgeprägte Tagesmüdigkeit, Sekundenschlaf
  • Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit
  • Kopfschmerzen am Morgen
  • Gereiztheit, depressive Verstimmungen
  • Potenzstörungen bei Männern

Unbehandelt erhöht Schlafapnoe das Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes und Unfälle durch Sekundenschlaf.

Apparative Diagnostik

Ambulante Polygraphie: Der Patient bekommt ein Messgerät für die Nacht mit nach Hause. Hier können in einer ambulanten Schlafaufzeichnung (Polygraphie) wichtige Parameter gemessen werden. Dies können unter anderem Atemfluss, Atembewegungen (Brust/Bauch), Sauerstoffsättigung, Puls, Schnarchgeräusche und Körperlage sein. Zeigen sich Hinweise auf Atempausen oder Sauerstoffabfälle wird die weitere Diagnostik empfohlen. Unsere Praxis verfügt über mehrere solcher Messgeräte.

Stationäre Polysomnographie im Schlaflabor: Dies entspricht dem Standard zur Diagnosesicherung. In umfangreiche Messungen werden EEG (Gehirnströme), EMG (Muskelaktivität), EKG (Herz), Atemfluss, Sauerstoffsättigung, Augenbewegungen, Körperlage unter anderem per Videoüberwachung gemessen.

Zur Bestimmung des Schweregrades wird der Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) bestimmt. Dies entspricht der Anzahl der Atemaussetzer/Hypopnoen pro Stunde.    .

Therapieoptionen

1. Lebensstil und Verhalten

  • Gewichtsreduktion: Übergewicht ist ein Hauptfaktor. Schon eine moderate Gewichtsabnahme kann die Symptome deutlich verbessern.
  • Alkohol und Schlafmittel vermeiden: Beide entspannen die Muskulatur und verschlimmern die Atemaussetzer. Mindestens zwei bis drei Stunden vor dem Zubettgehen darauf verzichten.
  • Gesunde Ernährung: Mediterrane, ausgewogene Kost mit wenig Zucker und gesättigten Fetten unterstützt die Therapie.
  • Rauchstopp: Rauchen reizt die Atemwege und verschlechtert die Symptome.
  • Regelmäßige Schlafenszeiten und Schlafhygiene: Feste Bettzeiten, ruhige und kühle Schlafumgebung (14–18 °C), kein schweres Abendessen, ausreichend lüften.

2. Schlafposition

  • Schlafen in Seitenlage, da Rückenlage die Atemaussetzer verstärken kann. Kissen oder spezielle Lagerungshilfen können helfen, die Seitenlage zu halten.

3. Apparative Therapien

  • CPAP-Therapie (Continuous Positive Airway Pressure): Goldstandard bei mittelschwerer bis schwerer Schlafapnoe. Eine Atemmaske erzeugt einen leichten Überdruck, der die Atemwege offen hält. Verschiedene Maskentypen und Geräte (CPAP, APAP, BiPAP) stehen zur Verfügung.
  • Unterkiefer-Protrusionsschienen: Bei leichter bis mittelschwerer Schlafapnoe oder Unverträglichkeit der CPAP-Therapie. Die Schiene hält den Unterkiefer vorn und die Atemwege offen.
  • Hypoglossusnerv-Stimulation: Moderne Alternative für Patienten, die CPAP nicht vertragen. Ein implantiertes Gerät stimuliert den Zungennerv, um die Atemwege offen zu halten.

4. Operative Verfahren

  • Bei anatomischen Engstellen (z.B. vergrößerte Mandeln, Polypen, Nasenscheidewandverkrümmung) kann eine Operation sinnvoll sein, ist aber insbesondere bei mittel- bis schwergradigen Formen nur als supportive Therapie anzusehen. Nur in Ausnahmefällen wird eine alleinige operative Therapie der Schlafapnoe bei Erwachsenen eingesetzt (im Unterschied zur Therapie der kindlichen Schlafapnoe).

Einfache Tipps und Verhaltensempfehlungen

  • Schlafen Sie möglichst in Seitenlage, nicht auf dem Rücken.
  • Verzichten Sie abends auf Alkohol und schwere Mahlzeiten.
  • Reduzieren Sie Übergewicht durch gesunde Ernährung und Bewegung.
  • Halten Sie regelmäßige Schlafzeiten ein und sorgen Sie für eine ruhige, kühle Schlafumgebung.
  • Lüften Sie das Schlafzimmer gut und vermeiden Sie trockene Luft.
  • Stärken Sie die Rachenmuskulatur durch gezielte Übungen oder Singen.
  • Vermeiden Sie Schlaf- und Beruhigungsmittel, sofern nicht medizinisch notwendig.

Wann sollten Sie einen HNO-Arzt aufsuchen?

  • Bei starker Tagesmüdigkeit, Konzentrationsstörungen oder beobachteten Atemaussetzern im Schlaf
  • Wenn Schnarchen mit Atempausen, Erstickungsgefühlen oder morgendlichen Kopfschmerzen einhergeht
  • Bei erfolglosen Selbsthilfemaßnahmen oder Verdacht auf Schlafapnoe

Haben Sie Fragen?

Bei Fragen oder Unsicherheiten vereinbaren Sie einen Termin in unserer Sprechstunde. Wir beraten Sie gerne individuell zu Diagnostik, Therapie und Alltagstipps bei Schlafapnoe.

Im Namen des gesamten Teams Dr. van Ackeren und Dr. Zander